Skip to main content

Durch Selbsterkenntnis Veränderung anstoßen

Erkenne dich selbst“ stand einst über dem Orakel zu Delphi. Es war eine Mahnung an den Menschen, nicht in Selbstüberhebung zu verfallen. „Erkenne dich selbst“ war ebenso die Grundmaxime der antiken Philosophie.

Wer weiß, wer er ist und wofür er steht, was ihm wichtig ist, was er wirklich will und welche Prinzipien und Werte er vertritt, der hat einen inneren Kompass und eine Karte für seinen Lebensweg.

Wer hingegen nicht weiß, wer er ist, wofür er steht, was ihm wichtig ist und was er wirklich will, für den ist es nicht möglich, angemessen – „richtig“ – zu entscheiden, wie er handeln soll und wie es weitergehen soll. Dieser Mensch strahlt Unklarheit aus, ist widersprüchlich, unsicher, haltlos.

In meiner Zusammenarbeit mit Teams geht es meist darum, gemeinsam Teamwerte, eine starke Teamkultur, klare Leitlinien, eine gemeinsame Vision oder eine fließende, wertschätzende Kommunikation zu erarbeiten. Und es bestätigt sich immer wieder, dass Organisationsentwicklung, ohne Selbsterkenntnis nachhaltig nicht möglich ist.

Warum es essenziell ist, die Selbsterkenntnis im Unternehmensalltag zu integrieren, um starke Teams und damit starke Organisationen zu schaffen und wie das geht, das zeige ich in diesem Beitrag.

Wer bin ich?

Die wichtigste Aufgabe von uns Menschen ist es, sich selbst zu erkennen. Hierbei geht es nicht um Körper und Verstand, es geht um die grundlegende Frage, wer oder was ist das Selbst, das in uns am Wirken ist. Die Suche dieses Selbst beginnt in Fragen wie „Wo komme ich her, wo gehe ich hin und was ist der Sinn meines Daseins?“. Ich nenne diese Fragen in meinen Teams gerne „Lebensfragen“.

Der Mensch hat es weder in der Schule noch im Elternhaus gelernt, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Das Erkennen und Erforschen des Selbst wurde noch vor nicht all zu langer Zeit als „egozentrisch“ bezeichnet. Die Anpassung an den Mainstream war damals wichtig, das Mitschwimmen, die Gleichheit, nicht aufzufallen. „Sei brav!“ Ein Satz, den viele von uns hörten und prägte.

Das Nachdenken über sich selbst, kann zu erstaunlichen Erkenntnissen führen. Erkenntnissen, die verändern, ja manchmal sogar alles auf den Kopf stellen. Davor fürchten sich oft Menschen. Denn ist die Erkenntnis erst einmal erlangt, gibt es kein Zurück mehr. Erkanntes kann nicht mehr unerkannt werden, so wie sich Entwicklung niemals zurückentwickeln kann.

Das Bewusstwerden bringt aber vor allem Eins: Klarheit. Für mich fühlt es sich oft so an, als würden die Menschen aus einem langen Schlaf erwachen. Ihre Energie kehrt zurück. Sie strahlen Klarheit, Entschlossenheit, Integrität und Zufriedenheit aus. Sie lächeln, ihre Augen strahlen, sie sind vollkommen präsent, ruhig, entspannt, zufrieden, sie hören aufmerksam zu, sie strahlen von innen – vollkommen authentisch. Einfache Fragen, mit denen ich gerne beginne sehen in etwa so aus:

Was möchte ich wirklich vom Leben?
Würde Geld keine Rolle spielen, wie würde ich mein Leben gestalten?
Was sind meine Bedürfnisse?
Was sind meine Werte?
Welche Ziele habe ich im Leben?
Welches Leben wünsche ich meinen Kindern / besten Freunde


Menschen lieben es, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Sie stürzen sich regelrecht auf die Übungen. Noch kein einziger Mensch hat sich jemals vor dieser Übung verschlossen.

… Und sie sind dankbar. Dankbar, dass sie Grundlegendes über sich während ihrer Arbeitszeit erfahren durften. Welcher Arbeitgeber bietet das schon? Das ist Mitarbeiterbindung durch Transformation. Denn nach Erich Fromm ist die Selbsterkenntnis die Basis des tiefen Glücksgefühls. So verschieden wir Menschen auch sind, Glück wünschen wir uns alle.

Wer sind wir?

Vom Ich zum Wir zum Uns. Ein starkes Wir kann es nur geben, wenn das Ich weiß, wer es ist und wenn die Beziehung zum Du funktioniert.

Nachhaltige Teamentwicklung stellt somit das Verbinden des Ichs und des Dus in den Fokus. Ist das Ich sich seiner Selbst klar, ist die Herstellung der Verbindung zum Du nicht schwer. Nun gilt es, die Kommunikation ins Fließen zu bringen.

In vielen Teams fällt mir auf, dass das Sprechen im Monolog die Gewohnheit ist. Meist spricht eine Person und alle hören zu und nicken – so wurde uns das schließlich in der Schule antrainiert. Kommunizieren die Teams online, sind oft die Mikros aus. Eine angeregte Diskussion kann so nicht entstehen. Sprechen wir so auch abends im Kreis unserer besten Freunde?

Beziehungen wachsen, wenn Energie fließt. Dann passiert Verbindung. Wenn Augenkontakt hergestellt wird, wenn Emotionen gezeigt und gesehen werden können, wenn ohne Filter, ohne Maske gesprochen wird, wenn es nicht um die Themen geht, sondern um die Menschen hinter den Themen. Beziehungen wachsen, wenn Interesse gezeigt wird, Fragen gestellt werden, zusammengefasst wird, Einwände eingebracht werden, Zuspruch stattfindet, die Menschen präsent sind und sich aktiv einbringen.
Verbindung passiert, wenn sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, wenn die gegenseitige Stärkung das Ziel aller ist, aber sich Menschen auch mal schwach und verletzlich zeigen dürfen ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen.

In vielen Teams spüre ich viel Unausgesprochenes, Unsicherheiten, oft noch Silodenken und Persönlichkeiten, die sich wenig kennen und verstehen. Hier beginnt die Kulturarbeit bzw. Teamentwicklung durch Bewusstwerdung.

Wie wird das Ich zum Wir?

Als einfache und wirkungsvolle Methode zur Stärkung der Verbundenheit lernen meine Teams die vier Schritte der gfK (gewaltfreien Kommunikation) nach Rosenberg kennen. Hier lernen sie ihre Erkenntnisse über sich selbst, in Worte zu fassen und sich des Warum und Wozu ihrer Worte bewusst zu werden. Woher spreche ich und was möchte ich damit wirklich erreichen? Viel zu oft nämlich sprechen wir ohne klares Ziel und wundern uns, wenn das Gespräch so völlig anders verläuft als erhofft.

Die gfK lehrt uns, einander auf Augenhöhe zu begegnen und unser Gegenüber an den eigenen Gefühlen teilhaben zu lassen und aufmerksam zuzuhören. Sie lehrt uns, uns mit uns zu verbinden, uns zu öffnen und unser Innerstes zu zeigen. Sie lehrt uns, zu vertrauen und Menschlichkeit und Nähe zuzulassen. Denn, nur weil ich mir Meiner und meiner Bedürfnisse klar bin, heißt das noch lange nicht, dass das für mein Gegenüber genau so klar ist. In den Teams lernen die KollegInnen, wie sie ihre selbst erkannten Gefühle so ausdrücken können, dass der Gesprächspartner sie versteht und weiß, wie er darauf reagieren kann. Das üben wir dann an verschiedensten Gesprächssituationen. Wir suchen Gesprächsbeispiele aus dem Alltag, ob privat oder beruflich – und üben diese nun nochmals anhand der 4 gfK Schritte. Schnell wird allen klar, hierbei geht es um eine Haltungsänderung.

Besonders für Führungskräfte ist diese Technik wichtig zu kennen und beherrschen. Sind sie es doch, die oft Konfliktgespräche zu führen haben.

Selbsterkenntnis, lernt man in keinem Kommunikationsseminar. Der Fokus liegt darum niemals auf dem Erlernen neuer Kommunikationsmuster, sondern auf der Erkenntnis der innersten Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche und deren respektvollen, authentischen Ausdruck. Bewusstseinsentwicklung ist darum die Basis einer jeden nachhaltigen Veränderung.

Selbsterkenntnis auf der Unternehmensebene


„Unsere Werte sind… unsere Vision und Mission ist es…“ Kaum ein Unternehmen hat sie nicht. Sie stehen auf Tassen, hängen in eingerahmten Bildern an der Wand, stehen stolz auf Webseiten oder liegen auf gedruckten Kärtchen auf den Meetingtischen.

Doch wirklich spüren kann ich sie oft nicht. Genau darum geht es aber. Wir Menschen leben unsere individuellen Werte meist, ohne uns dieser Bewusst zu sein. Menschen, die uns gut kennen, könnten uns unsere Werte ganz genau sagen und sie hätten recht. Denn wir leben sie. Wir richten unsere Kommunikation, unser Handeln unsere Entscheidungen an ihnen aus. Nichts wirkt sich so sehr auf unser Leben aus, wie unsere Werte.

Es geht also nicht darum Werte zu erarbeiten und dadurch zu haben, sondern sie zu leben, in jedem Moment, zum Kunde und zu den Kollegen. Es gibt aber noch mehr als die Werte, die Teams Halt geben.

Wichtige wesentlichen Fragen für Unternehmen:

Warum gibt es uns?
Welchen Mehrwert tragen wir zur Gesellschaft bei?
Warum sollte es unsere Kunden interessieren, dass es uns gibt?
Warum sollte jemand morgens aufstehen, um für uns arbeiten zu wollen?


Unternehmen, die auf die Fragen klare und authentischen Antwort haben, werden die richtigen Mitarbeiter und Kunden anziehen. Der Magnetismus wirkt: Er zieht an oder stößt ab. Die Kollegen sind in sich klar, rudern im Gleichtakt der gleichen Mission entgegen. Die gelebten Werte geben den Mitarbeitern Halt, Klarheit und Fokus. Das Resultat? Die Arbeit macht Spaß und fühlt sich leicht an.
Doch…
„Was sind denn eigentlich meine Werte?“ Diese 10 min Übung in meinem Workshop ist ein „eye-opener“. Als würde sich ein Rätsel lösen, werden nun alle getroffenen Entscheidungen nachvollziehbar. Die Gefühle bei Missachtung der Werte können nun identifiziert und in Worte gefasst werden. Denn …“anhand meiner Werte, hat dieser Partner/Beruf/Stadt… einfach nicht zu mir gepasst.“…

Emotionen fließen, Verbindungen werden hergestellt. Diese Momente in den Workshops sind oft hoch emotional. Da ich ein Freund von Abkürzungen bin, verbinde ich hierin Themenerarbeitung mit Teambuilding. Kaum ein Kletterpark oder Escape Room schafft an Teamgeist das, was wir in einem halben Tag Werte-workshop schaffen.

Fazit

In Zukunft wird es immer weniger genügen, zu erklären, was man wie und wo macht – Marken, Unternehmen, Menschen müssen vielmehr überzeugend darstellen, warum sie tun, was sie tun. Start with why – Sobald das Wesentliche sichtbar gemacht wird, sprudelt es nach Antworten, Lösungen und Ideen. Und diese sind es, die wir in den Unternehmen brauchen.

Mich als Fragensteller braucht es dann, wenn Menschen, losgelöst von ihren Rollen, zur Selbsterkenntnis gelangen möchten und das in einem wertschätzenden, aufbauenden und verbindenden Raum.
Teambuilding kombiniert mit Themenerarbeitung, was gleichzeitig auch Mitarbeiterbindung ist, führt zur Unternehmenstransformation. Die Basis davon ist immer die Selbsterkenntnis.